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Mein Name ist Lenny. Ich bin ein 7-jähriger
Schäferhundrüde.
Von meiner Vorgeschichte ist dem Tierheim nicht vielbekannt, doch seit ich hier bin, haben sie einige Dinge über mich in Erfahrung gebracht. In meiner Vergangenheit habe ich mehrmals den Besitzer- “Herren“ wechseln müssen. Einige Bekannte meiner „Herren“ sind dem Tierheim hier sehr gut bekannt für auffällig schlechte Hundehaltungen.
Tagsüber war ich meist allein in der Wohnung. Abends kamen dann genug Menschen, doch diese beschäftigten sich nicht sinnvoll mit mir, sondern betranken sich lieber bis in die frühen Morgenstunden. Irgendwann konnte ich diese abartigen Menschen und den ständigen Druck nicht mehr ertragen und setzte mich immer öfter zur Wehr.
Harte „Erziehungsmaßnahmen“ waren das Resultat für mein Verhalten. In bestimmten Situationen wusste ich weder ein noch aus und fing an, nach ihnen zu „schnappen“, damit sie endlich damit aufhörten.
Einen Teil meines Lebens verbrachte ich daraufhin in einer Transportbox. Mein damaliger „Herr“ holte mich täglich um 17.00 Uhr aus dieser raus und ging eine halbe Stunde mit mir joggen, währenddessen ich meine Geschäfte zu erledigen hatte. Danach musste ich wieder in meine Box und darin bis zum nächsten Tag verweilen. Irgendwann musste er für längere Zeit „umziehen“ und suchte wieder einen neuen „Herren“ für mich. Die Pflegerinnen hier sagen dazu „Knast“? Doch auch mein neuer „Herr“ musste bald „umziehen“ und gab mich schließlich im Tierheim ab.
Jetzt ging mein Leben endlich bergauf ! Kritisch wie ich anfangs war, begegneten mir die Pflegerinnen mit gaaanz viel Respekt. Kein Zwang, kein Druck oder sonst irgendein abartiges menschliches Verhalten, wie ich es kannte. Mehrmals täglich darf ich in einen großen Garten, Gassi gehen, feines Fressen, Streicheleinheiten, spielen, und selbst meine Schlafdecke wird mehrmals täglich zurecht gefaltet, was ich immer besonders aufmerksam finde.
Ja, so nach und nach habe ich mich hier mit allen angefreundet, und alle haben mir meine Zeit dazu gelassen. Sogar eine nette Staffordshire – Hündin lebt mit mir im Zwinger. Wir zwei toben den ganzen Tag umher.
Endlich kann ich leben ! Doch irgendwas fehlt. Meine Hundekumpels sehnen sich alle nach einem Zuhause. Was ist das ? Es fehlt mir was, doch ich weiß nicht was.
Ich sitze dann eben traurig auf meiner zurecht gefalteten Decke und warte, bis wieder eine der Pflegerinnen kommt.
Sie sagen, ich hätte kaum eine Chance, vermittelt zu werden, weil ich an den Besuchszeiten die Leute nicht mag, ich so groß und kräftig bin, keine Katzen mag, keine anderen Rüden dulde und nicht zu Kindern vermittelt werden kann.
Ja, ich mag keine Katzen, und von einem anderen Rüden lasse ich mir den Platz nicht streitig machen, schließlich bin ich ein großer imposanter Schäferhundrüde.
Die meisten Menschen mustern mich zu den Besuchszeiten und starren mich an. Sie erinnern mich an viele Dinge meiner Vergangenheit. Manche davon auch an meine „Herren“.
Nein, so wie damals möchte ich nicht mehr leben !!!

Unser Lenny hatte ein starkes Herzleiden und wir mussten ihn schweren Herzens erlösen.
Wir alle werden ihn sehr vermissen, da er mittlerweile einfach ein Mitglied der Tierheim-Familie war.

Mitgliedschaften

Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Baden-Württemberg