Immer häufiger erreichen uns Anrufe wegen verletzten oder erkrankten Fundtieren, oder die Tiere werden direkt zu uns in das Tierheim gebracht. Doch in unserem Tierheim ist keine ständig besetzte Tierarztpraxis, um solche Fälle zeitnah und damit tierschutzgerecht versorgen zu können. Unser Tierarztraum ist zudem nicht im Ansatz so eingerichtet, dass dort umfangreichere chirurgische Notmaßnahmen durchgeführt werden können. Er dient der tierärztlichen Betreuung unserer Heiminsassen. Im Falle der Fundtieraufnahme kann dort zeitnah, aber nicht unmittelbar, eine tierärztliche Grundversorgung durchgeführt werden.

Die tierärztliche Grundversorgung besteht in der Regel aus einer gründlichen Untersuchung des Tieres, sowie Maßnahmen, welche aus insbesondere seuchenhygienischen Gründen notwendig sind, z.B. Impfungen und antiparasitäre Behandlungen. Zur tierärztlichen Grundversorgung gehört ausdrücklich nicht die gegebenenfalls notwendige tierärztliche Erstversorgung verunfallter oder verletzter Tiere.

Die Erstversorgung umfasst die Notversorgung erkrankter oder verunfallter Fundtiere, die zur (sinnvollen) Erhaltung des Lebens des Tieres und zur Minderung vermeidbarer Schmerzen notwendig ist. Die Erstversorgung gehört zu den Pflichten eines tierärztlichen Notdienstes. Sie kann in der Regel nicht Aufgabe des Tierheims sein*

*aus dem Fundtierkostenpauschalvertrag zwischen dem Landkreis und unserem Verein

Sie vermeiden viel unnötiges Leid, wenn Sie sich deshalb im Falle verletzter Fundtiere an die einzig berufenen Stellen, nämlich die Tierarztpraxen, wenden. Diese haben Anspruch darauf, ihre Erstversorgungsmaßnahmen der jeweiligen Fundgemeinde gegenüber geltend zu machen. Dabei sind dringend notwendige Maßnahmen durchzuführen. Andererseits ist aber auch auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel ebenso zu achten, wie auf die jeweiligen Umstände.

Im Fall verunfallter herrenloser (Wild)Tiere liegt nämlich eine andere Situation vor. Hier kann das Jagdrecht ebenso greifen wie das Naturschutzgesetz. Allein schon die Problematik der Nachversorgung eines Wildtieres kann hier engere Grenzen setzen, ebenso die Unmöglichkeit, zukünftig noch ein artgerechtes Leben zu führen.

Im Folgenden drei aktuelle (von zahlreichen) Beispielen:

Bild 1: Katze mit umfangreicher Hornhautverletzung des Auges, in TA-Praxis nicht notversorgt, bei uns in Behandlung

Bild 2: Katze mit Beckenbruch, großer Wunde, umfangreichem Gewebsverlust, in TA-Praxis gut notversorgt und bei uns mehrfach nachoperiert: geheilt, vermittelt.

Bild 3: herrenlose Katze mit ausgedehntem Gewebsverlust im Tarsalbereich mit Offenlegung der Sehnen und Unmöglichkeit des Wundverschlusses. In Klinik zuvor vergeblich aufwändig operiert. Ausheilversuch würde bedeuten über Monate alle 2 Tage Verbandswechsel unter Vollnarkose, da Tier nicht handelbar: Euthanasie!

Mitgliedschaften

Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Baden-Württemberg