Bezirksgruppe Balingen des Landesverbandes Württemberg-Hohenzollern

im Reichstierschutzbund

Vor 1945  gab es einen Reichstierschutzbund. Die Bezirksgruppe Balingen der Landesgruppe Württemberg- Hohenzollern, unter Leitung des Reg. Veterinärrats Dr. Böckh aus Balingen, am 26. Juni 1939 in einem Schreiben als Zweigverein des Tierschutzvereins Rottweil u. U. benannt,  zählte zum 31. Dezember 1938 insgesamt 146 Mitglieder (u.a. 63 aus Ebingen, 21 aus Balingen, 14 aus Winterlingen und je 8 aus Tailfingen sowie Meßstetten). Die ältesten uns vorliegenden Belege für eine Tierschutzorganisation im heutigen Zollernalbkreis sind alte Karteikarten sowie Gemeinde- und Beitrags-Einhebelisten des Tierschutzverein Rottweil u. U., Bezirksgruppe Balingen, aus den Jahren 1937/38/39.  Am 27. April 1939 meldet der Bürgermeister der Gemeinde Margrethausen seine Gemeinde und die Schule vom Tierschutzbund ab. Er macht in dem Schreiben darauf aufmerksam, dass „die Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern im Reichstierschutzbund gemäß § 4 Abs. der Fünften Verordnung zur Ausführung des Tierschutzgesetzes aufgehoben“ ist.  Am 01. Mai beschwert sich ein Oberstudienrat Liebler aus Ebingen beim Reichtierschutzbund über die ohne Ankündigung erfolgte Anhebung des Beitrags von 2 RM auf 3 RM und prognostiziert den Austritt einer größeren Zahl der Mitglieder in Ebingen.  Den Beitrag für 1939 werde er nochmals einziehen, „bitte aber,  für mich einen anderen Ortsgruppenleiter zu bestimmen und erkläre gleichzeitig meinen Austritt aus dem Reichstierschutzbund“. Am 14. Juni 1939 fordert der Reichstierschutzbund im Auftrag des Innenministeriums Auskunft über den Kassenbestand der Bezirksgruppe Balingen (Schreiben an Dr. Rieber, Balingen)  zum 31. Dezember 1938, „zur Verteilung des Vermögens der nun aufgelösten LandesgruppeAnstelle der Landesgruppe  treten nun 23 neu gegründete Tierschutzvereine“. Dr. Rieber teilte dem Zweigstellenleiter  Dr. Böckh den angeforderten Kassenstand in Höhe von  71.89 RM mit , welcher der dem Tierschutzverein Rottweil a.N. übermittelt, von wo er Weisung über die Verwendung erwartet (Schreiben an das Kassenamt des Reichstierschutzbundes, Landesgruppe Württ-Hohenz. am 26.Juni). Erst am 30. November 1940 schreibt eine  Paula Bertsch aus Rottweil an  Dr. Landenberger in Ebingen,  „wie mir unser Vorstand, Herr Baurat Blessing mitteilt, werden Sie in Zukunft nicht mehr zu uns gehören, sondern sich selbständig verwalten. Die einkassierten Beträge werden nicht nach Rottweil abgeführt, sondern wollen Sie dieselben zur Verfügung des Vereins dort behalten“.  Dr. Landenberger scheint demnach inzwischen der Nachfolger von Dr. Böckh geworden zu sein, auch wenn letzterer noch zumindest bis 1948 in den Quellen auftaucht.  Und die  Umsetzung der vorhin erwähnten Fünften Verordnung scheint dem Anschein nach mit zeitlicher Verzögerung und etwas verworren erfolgt zu sein. Am 02.01.1941 verzeichnet der Kassierer, Dr. Rieber, einen Kassenstand von 418,93 Reichsmark. Bis 1948  gibt es dann keinerlei uns zugängliche Quellen mehr.

Über die Ursprünge und die Tätigkeiten dieser Organisation liegen uns  ebenso wenig  Erkenntnisse vor, wie über evt. Vorgängerorganisationen.  So bleibt es offen, ab wann  auf dem Gebiet des Zollernalbkreises Tierschutz organisiert worden ist. Es ist aber zu vermuten, dass dies im Zuge der Vereinnahmung des Tierschutzes durch die Nationalsozialisten zumindest forciert wurde.  Aus den bruchstückhaft vorliegenden Quellen der Jahre 1937 bis 1941, läßt sich leider kein klares Bild gewinnen.

Am 01. November 1948 schickt  Dr. Boeckh an den Veterinärrat Dr. Landenberger in Ebingen „Die mir durch die Kreissparkasse Balingen zugegangene Akte über die Umstellung des Spargirokontos der Bezirksgruppe Balingen im Reichstierschutzbund von RM auf Deutsche Mark bitte ich an die zuständige Stelle weiterleiten zu wollen“.  Zuvor hatte das Finanzamt Balingen am 09. Oktober dem Tierschutzverein, z. Hd. v. Herrn Stadtamtmann Wilhelm Baur in Ebingen, einen „Genehmigungsbescheid zur Freigabe der Altgeldguthaben zur Umwandlung in Neugeldguthaben und die Freigabe der Guthaben auf Festkonten“ erteilt. Die Freigabe durch die Zweigstelle Ebingen der Kreissparkasse Balingen von 439.73 RM erfolgte am 15. Oktober 1948 und am 25. Oktober 1948 wurde das Guthaben im Verhältnis 10 : 1 in DM umgewandelt, davon DM 21,95 auf ein Girokonto sofort verfügbar und DM 21,95 auf ein Festkonto.  Am 30. November teilt die Kreissparkasse mit, dass „Auf Grund des Vierten Gesetzes zur Neuordnung des Geldwesens vom 30.09. 1948“ vom Festgeld 70 % gestrichen wurden. „20% = DM 4,38 haben wir Wert 21.06.1948 heute Ihrem Girokonto gutgeschrieben, während 10% = DM 2,19 Wert 21.06.1948 auf Anlagekonto bis auf weiteres gesperrt bleiben“.  Diese Benachrichtigung schickt Dr. Boeckh am 04. Dezember an Dr. Landenberger „mit der Bitte um Besorgung des Weiteren“. Bis zum 02.01.1954 kommen danach weiterhin jährlich Kontoauszüge an die „Bezirksgruppe Balingen im Reichtierschutzbund“. Einen aktiven Verein hat es aber zu jener Zeit nicht mehr gegeben.

Am 25.08.1954 vermerkt Herr Erich Narr, Schriftführer und Kassierer auf dem letzten dieser Auszüge: „Das bisherige Giro-Konto ist aufgelöst worden und der Betrag von 28,77 DM dem neuen Giro-Konto durch Übertragung gutgeschrieben worden“.  Erst zu diesem Zeitpunkt verschwindet die Bezeichnung Bezirksgruppe Balingen im Reichstierschutzbund endgültig aus der Geschichte. Da Erich Narr Schriftführer und Kassierer des Neugegründeten Tierschutzvereins war, dürfte es juristisch strittig sein, ob es sich bei der Vereinsgründung im März des Jahres 1954 um eine  Neugründung oder um die Wiederbelebung  (unter neuem Namen und neuer Vorstandschaft) eines bestehenden Vereins handelt. Durch die Übernahme der Vereinsgelder ist der wiederbelebte oder neugegründete Tierschutzverein vermutlich zumindest  Rechtsnachfolger der Vorgängerorganisation.

 

Tierschutzverein Balingen und Umgebung e.V.

Im Jahr 1953 nimmt der damalige Balinger Landrat Roemer in einem Schreiben vom 13. November an Herrn Oberstudienrat Gauger (Progymnasium Balingen, Oberschule für Jungen, Sichelschule) Bezug auf ein früheres Schreiben vom 29.Juli, welches wohl der erste Anstoß zur Neugründung eines Tierschutzvereins im damaligen Kreis Balingen war. Landrat Roemer schlägt vor, dass  Herr Gauger zusammen mit dem Balinger Regierungs-Veterinärarzt, Dr. Bräuninger, und dem Ebinger Stadttierarzt, Dr. Holzwarth  den vorläufigen Vorstand bilden und eine Gründungsversammlung einberufen soll.  Am 26. November erhält Gauger vom Reg. Amtmann Bross eine Liste von Vereinigungen und Personen, welch zur Werbung von Mitgliedern dienlich sein soll. Am 30.11.1953 erhält er zusätzlich “ wunschgemäß Literatur über die Gründung von Tierschutzvereinen“.  Besonders hingewiesen wird auf einen Sonderdruck für die Gemeindeverwaltungen, „die im Falle eines korporativen Beitritts zu dem neugegründeten Verein eine sichere materielle Grundlage für sein Wirken abgeben würden. Nach der Vereinsgründung könnten Sie in einer der regelmäßigen Bürgermeister- Dienstbesprechungen für den Verein werben“.

Mit Datum vom 20.03.1954 wurde folgendes Schreiben verschickt:

„Am Freitag, den 26. März 1954 abends 20 Uhr findet im Hotel „Post“ in Balingen eine Versammlung zur Gründung eines Tierschutzvereins für den Kreis Balingen statt. Es besteht im Interesse des Schutzes sowohl unserer Haustiere, als auch der wildlebenden Tiere ein dringendes Bedürfnis, einen solchen Verein im Kreis Balingen wieder ins Leben zu rufen. Zweck des Vereins soll sein, den Tierschutzgedanken nach den geltenden Vorschriften zu verbreiten, durch Aufklärung, durch Belehrung und großes Beispiel Verständnis für das Wesen der Tiere zu wecken, ihr Wohlergehen zu fördern, insbesondere die Verhinderung jeder Tierquälerei oder Tiermißhandlung zu erstreben. Wir laden Sie zu dieser Veranstaltung herzlich ein. Im Auftrag: gez. Dr. Bräuninger Im Auftrag: gez. Dr. Gauger

Auf der Versammlung am 26. März wird Dr. Bräuninger zum Vorsitzenden und Dr. Holzwarth zu seinem Stellvertreter gewählt.  Dr. Gauger fehlte krankheitsbedingt und hatte im Vorfeld darum gebeten, „bei der Verteilung von Ämtern von meiner Person abzusehen“.

Mit Schreiben vom 08.April 1954 begrüsst der Deutsche Tierschutzbund die Absicht, im Kreis Balingen einen Tierschutzverein ins Leben zu rufen und sagt seine „volle Unterstützung“ zu.

Am 25. Mai 1954 beschließt eine Mitgliederversammlung die erste Satzung des Vereins, bestehend aus 15 §§. Das Original mit den Unterschriften der 7 anwesenden Mitglieder wird von Dr. Bräuninger am 31.08.1954 dem Amtsgericht Balingen zugestellt.

Am 25.10.1954 bestätigt der Deutsche Tierschutzbund den Eingang der Beitrittserklärung des Tierschutzvereins Balingen und läd zu seiner Jahresmitgliederversammlung am 10.11.1954 ein.

Der Ersteintrag im Vereinsregister (VR 47)  des Amtsgerichtes Balingen erfolgt am 14.12.1954 in Band VI, Bl. 50 Nr. 260.

Mit Schreiben vom 02. April 1956 beantragt der Verein beim Finanzamt Balingen die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Nach entsprechenden Hinweisen des Finanzamtes wird auf der ordentlichen Jahreshauptversammlung am 06. September 1956 eine Satzungsänderung beschlossen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen.  So lautete es im § 15 ursprünglich, dass bei Auflösung des Vereins oder bei Wegfall seines bisherigen Zweckes das Vereinsvermögen an die Mitglieder fällt. Dies wird ersetzt durch „fällt sein Vermögen an die Stadtgemeinde Balingen, die es unmittelbar und ausschließlich zur Förderung des Tierschutzgedankens zu verwenden hat“. Am 14. Dezember 1956 wird daraufhin ein erneuter Antrag gestellt. Bereits am 18. Dezember 1956 bestätigt das Finanzamt Balingen dem Verein die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Auf der 4. ordentlichen Jahreshauptversammlung am 23.04.1959 wurde von 10 anwesenden Mitgliedern der Vorstand neu gewählt. Vereinsleiter wurde nun Dr. Holzwarth, städt. Vet. Rat, Ebingen und sein Stellvertreter Walter Beisswenger, Redakteur, Balingen. Geschäftsführer (Schriftführer und Kassierer)  blieb unverändert Erich Narr, Ebingen.

1968/69 hat der Verein 138 Mitglieder

Im November 1969 stirbt der  Vereinsleiter, Dr. Holzwarth. Mit Datum vom 06. Juli 1970 beruft der 2. Vorsitzende, Walter Beißwenger „ nach langen Jahren stiller und unauffälliger Arbeit im Bereich des Tierschutzes“ eine Mitgliederversammlung auf Freitag, den 17. Juli 1970 , abends um 20 Uhr ins Hotel Württemberger Hof in Balingen ein: „Nachdem seit der Gründung des Vereins stets ein Tierarzt an der Spitze des Vereins stand, wäre es zu begrüßen, wenn diese Tradition beibehalten werden könnte. Die Herren Dr. Röder aus Tailfingen und Dr. Nestle aus Ebingen werden daher zu unserer Versammlung Einladungen erhalten“. Die Versammlung wählte  Dr. vet. med Georg Röder, Albstadt-Tailfingen zum neuen Vereinsleiter.  Dr. Maerker aus Winterlingen hielt ein Referat über Fragen des Tierschutzes.

In den Jahren 1971 und 1972 findet keine Mitgliederversammlung statt (!). Der bisherige Geschäftsführer, Erich Narr stirbt im Dezember 1972 durch Unfall.  Zu seinem Nachfolger als Geschäftsführer wurde  Otto Bayh  ernannt.

Die 6. ordentliche Jahreshauptversammlung fand dann am 11.05.1973 erstmals in Tailfingen statt. Auf dieser Versammlung wurde die Satzung dahingehend geändert, dass der Vorstand nunmehr für jeweils 4 Jahre gewählt wird.

Auf der  Mitgliederversammlung vom 25. April 1977 in Ebingen wählen 28 anwesende Mitglieder einen neuen Vorstand. Dr. Röder wird einstimmig im Amt bestätigt. Zu seinem Stellvertreter wird einstimmig Horst Ammann, Ingenieur aus Albstadt-Tailfingen gewählt.  Mit 24 : 4 Stimmen beschließt die Versammlung die Anhebung des Mindestjahresbeitrages von 3.–DM auf 10.–DM.

 

 Tierschutzverein Zollernalbkreis e.V.

Am 19. Mai 1978 beschließt die Mitgliederversammlung die Änderung des Vereinsnahmens in Tierschutzverein Zollernalbkreis e.V. sowie die Verlegung des Vereinssitzes nach Albstadt.  Weitere durch eine Ausschußsitzung vom 03. März vorbereitete  Satzungsänderungen wurden von den anwesenden 19 Mitgliedern vorgenommen.  Auf dieser Versammlung gibt Dr. Röder „zur Überraschung aller“ bekannt, dass der Verwalter des 1974 erworbenen Tierasyls, Karl Fritz, ab 1. September 1978  das Asyl altershalber nicht mehr betreuen wolle.

Der Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Albstadt erfolgt am 25.08.1978.

Nachdem die Betreuung des kleinen Tierasyls im Tailfinger Schalkental in Folge zu gewissen Mißständen führte, übernahmen am 22 .Dezember 1981 Frau Magdalena Grass und Frau Luitgard Kirsch die Betreuung der Einrichtung.

Da Herr Dr. Röder die Absicht äußerte, das Amt des 1. Vorsitzenden bei der nächsten Hauptversammlung abzugeben, suchten Aktive des Vereins einen Nachfolger für das Amt. Nach längerer Überzeugungsarbeit gelang es  den Damen Rupp, Raible und Luippold, den  Burladinger Tierarzt Dr. Günter Wiebusch zur Kandidatur zu bewegen. Auf der Mitgliederversammlung im März 1981 wurde er bei einer Gegenstimme zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter wurde der Albstädter Gemeinderat Ernst Ortwein aus Onstmettingen, Kassiererin blieb Erna Frey aus Albstadt, Schriftführer wurde H. Rauscher aus Albstadt.

Nach regen Diskussionen und reiflichen Überlegungen wurde nach entsprechenden Gesprächen mit dem damaligen stellvertretenden Landrat Roland Haas, der Neubau eines Tierheimes in Angriff genommen, welcher in den Jahren 1983/84 durchgeführt wurde. Bei einer Gesamtsumme von über 400.000 DM bekam der Verein durch den Landkreis und den meisten Kreisgemeinden einen Bauzuschuß in Höhe von über 190.000 DM. Das Baugelände stellte die Stadt Albstadt mittels Erbbaupacht zur Verfügung. Mit diesem Neubau, bestehend aus einem größeren Hundetrakt sowie teilunterkellerten sonstigen Funktionsräumen und einem kleinen Büro, war der Verein erstmals in der Lage einen richtig geordneten Tierheimbetrieb zu betreiben.
 

 

in Bearbeitung,  wird laufend ergänzt und fortgeschrieben

Mitgliedschaften

Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Baden-Württemberg